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Unsere Heimat

Württemberg, Schappel, Ifflinger & Co.

Herrschaftsstrukturen im Raum Lackendorf vor 500 Jahren

In diesen Tagen, in denen überall in unserm Raum die Narrenvereinigungen ihre Umzüge veranstalten, wird man darunter auch die Lackendorfer in Frack und Zylinder bestaunen können und ihren Narrenruf hören. Dass nicht nur die Lackendorfer Narren stolz auf ihre Vergangenheit sind, sondern auch die weniger närrischen Einwohner dieses kleinen Ortes im Eschachtal, zeigte sich anlässlich der Übergabe einer Urkunde aus dem Spätmittelalter an das Dunninger Museum im Rathaus, haben sich doch zu dieser Feierstunde überraschend viele Lackendorfer im alten Schulhaus eingefunden.

Sicherlich lag das auch daran, dass Kreisarchivar Bernhard Rüth die Übergabe mit einem Referat verband, das die historischen Hintergründe beleuchtete. Unter dem Leitgedanken referierte er über die Herrschaftsstrukturen Württemberg, Schappel, Ifflinger & Co. im Raum Lackendorf vor 500 Jahren und erläuterte den Inhalt der Urkunde, die künftig im Museum im Rathaus ausgestellt ist.

Die Urkunde entstammt dem Familienarchiv der Freiherren von Ifflingen-Granegg, das der Rottweiler Heilig-Kreuz-Gemeinde übereignet worden war. Aus ungeklärten Umständen sind einige Urkunden in private Hände gelangt und dann 2007 im Archivalienhandel angeboten worden. Das Rottweiler Kreisarchiv hat sie dann erworben. Eine davon wird nun auf Bitten der Gemeinde Dunningen im örtlichen Museum verwahrt und präsentiert.

Die Urkunde wurde „uff sannt Batholomeus“ - also am 23. August – des Jahres 1499 in Stuttgart ausgestellt. Die beteiligten Akteure dabei waren Herzog Ulrich von Württemberg und Hans Ifflinger, der zum Zeitpunkt der Belehnung in Villingen ansässig war. Er erhielt das Lehen anstelle seiner Frau Ursula, die der Rottweiler Patrizierfamilie Schappel entstammte.

Hans Ifflinger bekam dabei die Hälfte des Händelbronner Hofes, die niedere Gerichtsbarkeit und die obrigkeitlichen Rechte, ferner das Recht, seine etwa 600 Schafe vom 16. Oktober bis zum 1. Mai in Richtung Lackendorf weiden zu lassen und er erhielt auch die Wälder jenseits der Eschach.

Rüth führte weiter aus, dass die Anfänge des Ortes Lackendorf und des benachbarten Weilers Händelbronn im Dunkeln der Geschichte liegen. Er vermutet, es handelt sich um sogenannte Ausbausiedlungen aus hochmittelalterlicher Zeit. Der Name Lackendorf tauche erstmals am Ende des 13. Jahrhunderts auf. Bei einer rechtlichen Auseinandersetzung wird eine Zeugenaussage eines gewissen Albert von Lackendorf erwähnt. Im Lehnsbuch des württembergischen Grafen Eberhards II. ist vermerkt, dass Mitglieder der Rottweiler Patrizierfamilien Boller und Schappel um die Mitte des 14. Jahrhunderts mit Besitz und Rechten in den beiden Dörfchen belehnt worden sind. Den einschlägigen Urkunden ist auch zu entnehmen, dass zu dieser Zeit verschiedene Rottweiler Familien in und um Lackendorf Besitz und Rechte hatten. „Das Patriziat der Reichsstadt legte sein erwirtschaftetes Kapital im großen Stil in Immobilien im Umland an und ebnete mit diesen Expansionstendenzen der städtischen Territorialpolitik den Weg“, so der Referent in seinem weiteren Ausführungen.

Die Verhältnisse im Eschachtal seien ein Paradebeispiel für die Unbeständigkeit von Besitz, Rechten und Herrschaftsformen im Spätmittelalter. Vor 500 Jahren dann hätten sich die Herrschaftsverhältnisse verfestigt. In dieser Zeit sei es der Adelsfamilie der Ifflinger gelungen, im Raum Lackendorf Fuß zu fassen und dort für nahezu 300 Jahre als Lehnsträger zu verbleiben. Eine der vier Urkunden weise aus, dass Hans Ifflinger und seine Ehefrau Ursula geborene Schappel von Herzog Ulrich von Württemberg mit den gesamten Schappel’schen Besitzungen in Lackendorf und Händelbronn belehnt wurden. Doch auch diese einst stolzen und wohlhabenden Grundherren hätten in der frühen Neuzeit ihre wirtschaftliche Basis und damit auch ihre politische Stellung verloren. Güterteilungen unter den Familienmitgliedern, Güterverkäufe, aber auch Verschwendung und Überschuldung hätten führten dazu, aus gut situierten Rittern berühmt-berüchtigte Bettelbarone zu machen

Museumsleiter Julius Wilbs war es vorbehalten, sich im Namen der Gemeinde und des Heimat- und Kulturvereins zu bedanken und auch die Anwesenden zu bitten, die Arbeit des Vereins durch einen Beitritt zu unterstützen. Er überreichte dem Referenten ein für diesen Anlass wie geschaffenes Geschenk, nämlich eine Flasche Schappelsbühler, vom Musikverein Dunninger hergestellt vom Obst, das auf dem einstigen Grundstück der Rottweiler Patrizierfamilie Schappel geerntet werden kann.