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Unsere Heimat

Ja, so warn's die alten Rittersleut

„Zu Grünewald im Isartal, glaubt es mir, es war einmal,
da ham edle Ritter g`haust,
dene hat´s vor gar nichts graust.“

So dichtete einst der Münchner Komiker Karl Valentin (1882-1948) in seinem berühmten Gedicht über die Ritterschaft.

Zu Lackendorf im Eschachtal hat einstmals auch ein Rittergeschlecht gehaust, das von Ifflingen-Granegg, und die Geschichte des kleinsten Dunninger Ortsteils ist eng mit der Geschichte dieser Freiherren verbunden.

Im 15. und auch noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts gehörten sie zu den begütertsten Familien des Schwarzwaldes. Konrad Rothenhäusler, der die Familiengeschichte erforscht hat, zählt nicht weniger als 67 Orte, vorwiegend im Badischen und Württembergischen gelegen, auf, in denen die Ifflinger eigene Güter oder Lehensgüter besaßen, darunter auch in Dunningen und Lackendorf.

Wir haben die wechselvolle Geschichte Lackendorfs unter der Herrschaft der Ifflinger schon in der "Brücke" des Jahres 2000 ausführlich dargestellt. Heute soll lediglich einer aus der Familie vorgestellt werden, der beispielhaft dazu beitrug, dass die Lackendorfer Ifflinger als Bettelbarone in die Geschichte eingingen.

Es ist Josef Fidelis Cyprian, einer der rücksichtslosen Schuldenmacher und ein Tunichtgut der Extraklasse. Rothenhäusler schreibt über ihn, dass bei ihm schon frühzeitig eine Neigung zu einem leichtfertigen Leben zu erkennen war. Als er im Jahre 1760 mit 1000 fl. Schulden sich aufmachte, Kriegsdienst zu leisten, schloss er mit seiner Mutter einen Vertrag des Inhalts, dass sie während seiner Abwesenheit die Güter in Lackendorf verwalten solle. Um die laufenden Schulden zu bezahlen und dem Sohn Reisegeld zu beschaffen, sollen 1500 fl. aufgenommen werden. Cyprian muss sich aber verpflichten, in den nächsten 8 Jahren keine Schulden mehr zu machen. Der Sohn aber dachte nicht daran, dieses Versprechen auch zu halten. Schon im Jahre 1764 musste man den Heuzehnt zu Lackendorf verkaufen, um eine 1000-Gulden-Schuld zu bezahlen.

Zwei Jahre später bittet die Mutter das Ritterschaftsdirektorium, ihren Sohn einzusperren, da er wiederum Schulden gemacht habe und seine Frau verlassen habe. In Villingen führe er ein ausschweifendes Leben. In der Folgezeit versucht er immer wieder, in die Verwaltung seiner Güter eingesetzt zu werden und ihm die Aufnahme von 12 000 fl. zu gestatten, um seine Schulden zu tilgen. Und obwohl es ihm gelingt, einen Hof in Lackendorf zu verkaufen, belaufen sich seine Schulden zwischenzeitlich auf über 24 000 fl. Mit Genehmigung des Kaisers beschließt das Ritterdirektorium, einen Verwalter zu beauftragen. Dieser, ein Major von Baratti, teilt noch im Herbst mit, Cyprian drohe, Lackendorf mit Mord und Brand zu überziehen. Als er daraufhin festgenommen werden sollte, flieht er nach Oberndorf. Doch, o Wunder, Cyprian bekennt seine Schuld, zeigt Reue und verspricht, sich zu bessern. Er bittet darum, ihn zu verpfründen oder in eine Festung zu setzen. Als der Fürst von Hohenzollern den Auftrag erhält, Cyprian beim Betreten des Landes einzusperren und auf dem Hohenzollern gefangen zu setzen, zieht er sich nach Einsiedeln zurück und bittet das Kloster Engelberg um Aufnahme, da er Geistlicher werden wolle. Die Mönche erkannten aber bald, „dass die Regel des hl. Benedikt nicht auf den Herrn J.F. Cyprian zugeschnitten sei“.

Aus dem Kloster entlassen, versucht er sich als Kadett in sardinischen Diensten. Doch auch beim Militär entpuppt er sich als einer, der hauptsächlich durch Schwank und Schuldenmachen auffällt. Er will wiederum in ein Kloster eintreten, diesmal soll es ein Bettelorden sein. Seine Mutter versucht, ihn gegen ein Kostgeld von 200 fl. wieder zu sich zu nehmen, er selbst bittet 1773 darum, ihm die niedere Gerichtsbarkeit in Lackendorf zu überlassen, er werde sich bessern. Wer sollte ihm noch Glauben schenken?

So versucht er, sich beim Bischof von Konstanz Geld zu erschwindeln: Er zeigt seine Ehescheidung an und teilt mit, er könne in das Minoritenkloster Rittersberg bei Feldkirch aufgenommen werden, er müsse allerdings 250 fl. für das Noviziat und 3000 fl. an Aussteuer mitbringen. Als auch aus dieser Schwindelei nichts wurde, reist er am 15. November 1774 nach Lackendorf und erklärt, er bleibe hier, bis man ihn verpfründe oder mit Gewalt wegbringe. Ein Versuch, ihn bei den Notbrüdern in Bernstein unterzubringen, ist erfolglos. Als er sich auch bei den Franziskanern in Villingen übel aufführt, ist die Geduld der Verantwortlichen endlich am Ende, man sperrte ihn auf der Festung Philippsburg ein, wo er am 7. März 1779 an Auszehrung stirbt.

„Und der Ritter Habenichts, der hat nämlich wirklich nichts,
s `einzig was der Ritter hott,
ist ein chronischer Bankrott“

Julius Wilbs