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Frühjahr 1944

Bomben auf Lackendorf

Bomben auf Lackendorf, man kann sich das heute kaum mehr vorstellen. Doch im Frühjahr 1944, am 15. März, wurde Lackendorf von alliierten Flugzeugen angegriffen, es fielen fünf Bomben, die den Friedhof und eine Scheune zerstörten, ein Haus in Schutt und Asche legten und andere Häuser stark beschädigten.

Neun Todesopfer waren zu beklagen, ein 74 Jahre alter Mann, eine Kriegerwitwe, die drei Mädchen hinterließ, der Bauer Otto Grieshaber mit seiner Ehefrau und deren Mutter und seine 4 Kindern im Alter von 4-14 Jahren Nur der älteste Sohn, der zur Zeit des Fliegerangriffs nicht zu Hause war, überlebte. Auch das Vieh des Bauern lag unter den Trümmern und konnte nicht mehr gerettet werden.

Der Angriff erfolgte abends zwischen 22.00 und 23.00 Uhr. Vermutlich handelte es sich nicht um einen geplanten Angriff, da sich in Lackendorf weder militärische Anlagen noch kriegswichtige Industrie befanden. Denkbar aber ist, dass die alliierten Bomber von der auf der Stettener Höhe stationierten Flak angegriffen wurden und dann ihre tödliche Last abwarfen.

Eine Augenzeugin, Josefine Haas, erinnert sich noch genau an jenen schrecklichen Tag: "Am 15. März 1944 gab es in der Nacht Fliegeralarm. Ich ging noch vor die Haustür und sprach mit dem Nachbar Otto Grieshaber, der an diesem Abend an einer Gemeinderatssitzung teilgenommen hatte. Wir fragten einander, ob man nicht besser in den Luftschutzkeller gehen sollte, taten es aber doch nicht, sondern gingen zurück ins Haus. Kurz darauf sind die Bomben gefallen. Ein Nachbarskind kam zu uns gerannt und berichtete, dass das Haus von Grieshabers ganz am Boden liege. Verstört liefen wir nach draußen und sahen in Richtung Mariazell noch ein brennendes Flugzeug. Bei uns war das Dach abgedeckt und es gab kein Fenster mehr. Unsere Uhr war um 22.50 Uhr stehen geblieben".

Der heute 76- jährige Hermann Flaig berichtet, dass sein Elternhaus ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, doch kamen seine Eltern und sein Bruder mit dem Schrecken davon, nur sein Vater erlitt durch Glassplitter Verletzungen.

Die Trauerfeierlichkeiten fanden am darauf folgenden Sonntag statt. Die Toten wurden in der Dorfmitte aufgebahrt. Hakenkreuzfahnen wehten, die NSDAP marschierte auf, Reden wurden gehalten und eine große Trauergemeinde geleitete die Toten zum Friedhof, der ebenfalls stark zerstört war.

Julius Wilbs